Schulsozialarbeit – ehe das Kind in den Brunnen fällt

Impulsvortrag von Philipp Möller

Die Schulpflegschaft der Anne-Frank-Realschule hat den Diplompädagogen und Buchautor Philipp Möller („Isch geh Schule“) nach Ibbenbüren eingeladen, um einen unterhaltsamen Einstieg zu bieten für ein ernstes Anliegen: die Neuausrichtung der Schulsozialarbeit in Ibbenbüren.

Den Referenten Philipp Möller (2.v.r.) hießen in der Anne-Frank-Schule willkommen: (v.l.) Reinhard Mau, Vorsitzender des Fördervereins der Anne-Frank-Realschule und der stellvertretende Schulleiter Frank Holle sowie Thorsten Meier (r.).

IBBENBÜREN. „Wat meinste, wat bei Manchen zu Hause los is“, zitierte Philipp Möller „Geier“, einen ehemaligen Lehrerkollegen an einer Berliner Grundschule. Er sei der Einzige, der im Ernstfall auch den Weg zu den Schülern nach Hause nicht scheue, hatte dieser dem jungen Kollegen Möller erzählt. – Schlaglicht auf Berliner Schulrealitäten.

Die Schulpflegschaft der Anne-Frank-Realschule, federführend Thorsten Meier, hatte den einer Berliner Lehrer-Dynastie entstammenden Diplompädagogen und Buchautor („Isch geh Schule“) nach Ibbenbüren eingeladen, um einen unterhaltsamen Einstieg zu bieten für ein ernstes Anliegen: die Neuausrichtung der Schulsozialarbeit in Ibbenbüren. 50 Zuhörer – Eltern, Lehrern und Schulleiter anderer Ibbenbürener Schulen sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung waren gekommen.

Mit amüsanten Schilderungen von Unterrichtsszenen, Schüler- und Lehrerpersönlichkeiten bereitete Möller den Boden für eine anschließende engagierte und facettenreiche Diskussion. Schüler, die ihre Rechte weitaus besser kennen als ihre Pflichten und ihr Selbstbewusstsein aus der zweifelhaften Leistung zu speisen suchen, den Lehrer „zum Ausrasten“ zu bringen, boten bitter-amüsante Einblicke in den Schulalltag in Berlin.

„So weit sind wir hier in Ibbenbüren definitiv noch nicht“, sagte als einer der Zuhörer Stephan Krems, bis vor Kurzem Leiter der Ibbenbürener Anne-Frank-Realschule und Motor der Initiative für Schulsozialarbeit. Wohl aber taugt dieses Bild als Beschreibung dessen, wozu man es nicht kommen lassen will. Schule agiere in „stürmischen Zeiten“, so Möller, der Schule für „die wichtigste Institution für unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaft“ hält und ein leidenschaftliches Plädoyer für Bildungsgerechtigkeit hielt. Es gelte, „herkunftsbedingte Benachteiligung“ auszugleichen. Ein gemeinsamer Antrag aller Ibbenbürener Schulen für feste Stellen für Schulsozialarbeit war das konkrete Bestreben der Initiatoren des Abends. „Uns fehlt ein Netzwerk an Psychologen und Sozialpädagogen“, so die pädagogische Leiterin der Anne-Frank-Realschule, Anja Telljohann.

Andere Wortbeiträge forderten, nicht nur „Elendsverwaltung“ zu betreiben, präventiv zu arbeiten und nicht erst zu reagieren, „wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen“ sei. Um die vielen gesellschaftlichen Herausforderungen (unter anderem Schüler mit Migrationshintergrund, Inklusion etc.) zu bewältigen, brauche es „Manpower“. „Wir können uns nicht leisten, Menschen zurückzulassen“, so Krems. „Je mehr Beziehungsarbeit Schule leisten könne, umso größer die Chance, dass das gelinge. „Und das spart unterm Strich auch noch Kosten.“ Ein wichtiges Stichwort war auch „Vernetzung“, es sei wichtig, dass Schule und Jugendhilfe Hand in Hand arbeiten.

Eine Lanze für die Anstrengungen der Stadt um Bildungsgerechtigkeit brachen die Erste Beigeordnete Cornelia Ebert und der Leiter des Jugendamtes, Bernd Mix. „Wir sind da im Prozess“, so Ebert bezogen auf Schulsozialarbeit, Sie sei zuversichtlich, „dass der Prozess weitergeht“. Bernd Mix wies darauf hin, dass man derzeit ein Konzept dafür erarbeite, das man im Sommer 2017 in die politische Diskussion bringen werde, um hoffentlich 2018 damit arbeiten zu können. – Das ist lange hin.

Autor: Cornelia Ruholl und Bild IVZ-online
Tel: 05451 933 251

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