Schülervertretungen

„Auch mal der Bösewicht sein“

Das neue Schuljahr läuft gerade. Das ist auch traditionell die Zeit, in der in den Schulen die neuen Schülervertretungen gewählt werden, auch an der Anne-Frank-Realschule Ibbenbüren. Wir haben uns mit Pascal Illmann (17), Amela Causevic (15) und Jessica Homann (15) aus der SV sowie Schulleiter Stephan Krems über das Verhältnis von Schülervertretung und Schulleitung gesprochen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Schulleitung?

Pascal Illmann: Sehr gut. Man lässt uns hier an der Anne-Frank-Realschule viele Freiheiten. Ich war vorher an einer anderen Schule, und da war das ganz anders, da konnte man fast nichts machen. Wenn hier ein gutes Konzept haben, dann sagt Herr Krems „Macht mal, Ihr macht das schon“.

Was hat die Schülervertretung an der Anne-Frank-Schule denn schon konkret bewegen können?

Amela Causevic: Wir haben zum Beispiel im letzten Jahr eine Handy-Zone durchgesetzt. In der Pause dürfen jetzt im Forum Handys benutzt werden.

Das war vorher verboten?

Stephan Krems: Komplett. Auf dem Schulgelände mussten Handys ausgeschaltet sein. Im Forum gibt es jetzt die Möglichkeit die Handys zu benutzen. Für jede Altersstufe gibt es dabei bestimmte festgelegte Zeiten.

Warum haben Sie sich davon überzeugen lassen, dass das sinnvoll ist?

Stephan Krems: Wir haben das in der Lehrerschaft durchaus kontrovers diskutiert. Das Handy gehört aber heute zum Leben dazu und hat für die Jugendlichen nochmal eine besondere Bedeutung. Das Konzept der SV hat mich überzeugt, und wir glauben, dass die Schüler dann mit dem Handyverbot in den anderen Bereichen noch bewusster umgehen. Wir geben den Schülern auf der einen Seite ein Stück Freiheit, erhöhen damit aber auf der anderen Seite die Akzeptanz des ursprünglichen Verbotes.

Ist die SV mit einem Vorhaben auch schon mal so richtig gescheitert?

Jessica Homann: Wir möchten gerne eine Dönerbude auf dem Schulgelände, aber wir sind damit noch nicht so richtig weit gekommen, wir wollen es aber weiter versuchen.

Fühlt Ihr Euch als Schülervertreter von Lehrern und Schulleitung denn als Gesprächspartner ernst genommen?

Alena Causevic: Ja, absolut.

Wie ist es denn für den Schulleiter mit der Schülervertretung - mehr Kampf oder mehr Miteinander?

Stephan Krems: Grundsätzlich immer ein Miteinander. Die Schulgemeinschaft besteht ja nicht nur aus Lehrern, sondern ganz besonders erstmal aus Schülern und aus der Zusammenarbeit von Schülern und Lehrern hier vor Ort. Das Miteinander ist dabei entscheidend. Die jungen Leute zur Gesellschaftsfähigkeit zu erziehen, bedeutet auch, sie ernst zu nehmen, ihre Bedürfnisse und Interessen in den Schulalltag einfließen zu lassen. Als Schulleiter muss ich natürlich gucken, was geht, was erlaubt und was sinnvoll ist. Und gerade beim Stichpunkt sinnvoll gibt es oft unterschiedliche Vorstellungen. Da gilt es dann, einen guten Ausgleich zu schaffen.

Fazit: Schülervertretung eine sinnvolle Einrichtung?

Pascal Illmann: In jedem Fall, weil man sich auf diese Art und Weise einbringen kann. Das Problem ist nur, dass einige Schüler Vieles wollen, aber nicht bereit sind, dafür auch mitzuarbeiten. Man muss in den eigenen Reihen kämpfen und auch mal der Bösewicht sein, wenn es darum geht, Regeln einzuhalten.

Stephan Krems: Ich habe eine wirklich sehr engagierte SV. Für mich als Schulleiter ist es auch immer wichtig, über die Schüler ein Feedback zu bekommen, wie Schule läuft und wahrgenommen wird, wie die Abläufe im Alltag funktionieren. Die Schüler sind durchaus in der Lage, sich da sehr kompetent einzubringen und auch mal den Finger in die Wunde zu legen. Andre Schulen merken das auch, dass bei uns die Schüler mit ins Boot geholt werden. Schule kann sich nur entwickeln, wenn sich alle Parteien beteiligen.

Foto & Autor: Henning Meyer-Veer

IVZ-online

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