Ist Bildung ungerecht?

Bekannter Autor Philipp Möller kommt in die Anne-Frank-Realschule / Schulsozialarbeit ist Thema

Von Cornelia Ruholl

Freuen sich über den gefragten Referenten Philipp Möller, der einen Impulsvortrag für Schulsozialarbeit halten wird (v.l.): Die Leitung der Anne-Frank-Realschule, Frank Holle und Anja Telljohann sowie Elternvertreter Thorsten Meier. Foto: Cornelia Ruholl

IBBENBÜREN. Philipp Möller ist bekannt. Seit 2012 sein erstes Buch „isch geh Schulhof“ erschien, das ruck, zuck ein Bestseller wurde, war der Diplom-Pädagoge und freie Autor ein gefragter Gast in zahlreichen Fernseh-Talkshows. Am Dienstagabend, 1. März, kommt er ins Forum der Anne-Frank-Realschule.

Möller hält einen Impulsvortrag zum Thema „Neuausrichtung der Schulsozialarbeit in Ibbenbüren“, zu dem Eltern, Lehrer, Schulleitungen sowie Verantwortliche aus Verwaltung und Schulpolitik eingeladen sind.

Möller werde „ein Feuerwerk abfackeln für Gerechtigkeit“, sagt Thorsten Meier, Elternvertreter, der – gemeinsam mit Schulleiter Frank Holle und der pädagogischen Konrektorin Anja Telljohann – die Idee für diesen Vortragsabend vorantrieb. Der Förderverein der Schule trägt über Sponsoren die Kosten für diese Veranstaltung. Über eine kleine Spende im Anschluss würden sich die Schule freuen.

„Bildung ist nicht überall schlecht, aber fast überall ungerecht“, zitiert Meier den Erfolgsautor. „Ob das stimmt, darüber werden wir diskutieren.“

Er ist überzeugt, dass es Philipp Möller gut gelingen wird, „einen emotionalen Zugang“ zu diesem Thema zu schaffen. Der Referent des Abends könne das Thema auf eine Weise beleuchten, die Spaß machen kann, um im Anschluss darüber zu reden.

Und es ist erklärtes Ziel, darüber zu reden. Und darüber, zeitnah einen Runden Tisch zum Thema „Neuausrichtung der Schulsozialarbeit in Ibbenbüren“ zu installieren.

Um das Thema voranzutreiben, hat die Anne-Frank-Realschule einen Vorschlag für einen gemeinsamen Antrag der Pflegschaften aller Ibbenbürener Schulen. Demnach sollte ein „runder Tisch“ zum Thema Schulsozialarbeit mit Vertretern der Schüler- und Elternschaft, der Schulen, der Politik und Verwaltungsspitze sowie dem Jugend- und Schulamt in Ibbenbüren eingerichtet werden. Zudem soll ein Vertreter der Stadt Bocholt eingeladen werden, das „Bocholter Modell“ zur Schulsozialarbeit vorzustellen.

Schule sei „ein Spiegel aller gesellschaftlichen Themen“, sagt Anja Telljohann. Und es werde von Schule ein immer größerer Teil an Erziehungsarbeit eingefordert. Weil die Gesellschaft ganz neue Themen bekommen habe, müsse Schule sich neu aufstellen. „Schulsozialarbeit kommt da eine ganz zentrale Aufgabe zu“, sagt sie. Psychosoziale Probleme seien absolut schulformübergreifend. Was bei seelischer Verletzung und Trauer beginnt (z.B. weil der Freund Schluss gemacht hat), geht weiter über Kinder, die durch Trennungssituationen belastet sind, die von Depressionen betroffen sind oder von sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt bis hin zu Kindern psychisch kranker Eltern und Suizidgedanken. Die fachliche Kompetenz von Lehrern allein könne solchen Themen nicht ausreichend wirksam begegnen.

„Wir müssen Schulsozialarbeit stärken“, mit diesem Satz zitiert Thorsten Möller Dr. Claudia Bogedan, seit 2015 Senatorin für Kinder und Bildung im Senat der Freien Hansestadt Bremen. Er will diesen Impuls aufnehmen, das Anliegen voranzutreiben.

| Impulsvortrag von Philipp Möller: „Ein Feuerwerk und Plädoyer für Gerechtigkeit“: 1. März, Forum Anne-Frank- Realschule Ibbenbüren, um 19.30 Uhr.

Was Schulsozialarbeit leistet

Situation in Ibbenbüren

„Schule ist Spiegel aller gesellschaftlichen Themen.“

Anja Telljohann

Seit anderthalb Jahren gibt es verstärkte Initiativen, Schulsozialarbeit an den Ibbenbürener Schulen zu verankern.

Seit dem Herbst 2015 sind 1,9 Stellen im Rahmen von BuT-Stellen (Bildung und Teilhabe) auf die Ibbenbürener Schulen verteilt worden.

Die Hauptschule hat Stellen für Schulsozialarbeit, die zeitlich unbefristet aus Landesmitteln finanziert werden.

An der Anne-Frank-Realschule wird beispielhaft seit sieben Jahren eine Schulsozialarbeiterin aus Stellenanteilen für den Vertretungsunterricht vom Land bezahlt, was keine Lösung auf Dauer sein dürfte. Insgesamt sei die Situation in Ibbenbüren unbefriedigend. „Man muss Schulsozialarbeit gemeinsam noch einmal neu andenken“, so Telljohann.

Fachkräfte der Schulsozialarbeit leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensbewältigung. Frank Holle und Anja Telljohann beschreiben Schulsozialarbeiter als konstante Bezugspersonen, die nicht Lehrpersonen oder Schulleitung sind, also nicht beurteilen und bewerten. Mit ihnen kann man sich austauschen, und sie stehen als Vorbilder zur Verfügung. Die Bedeutung solcher außerfamiliärer Bezugspersonen werde auch durch die Resilienzforschung hervorgehoben. Resilienz bezeichnet die Widerstandskraft eines Menschen gegenüber belastenden Lebensumständen und Lebensereignissen. Die Resilienzforschung beschäftigt sich mit den Faktoren, die Menschen äußerst schwierige Situationen positiv überstehen lassen.

Zu den Ressourcen im sozialen Umfeld zählen unter anderem kompetente und fürsorgliche Erwachsene außerhalb der Familie, die Vertrauen fördern, Sicherheit vermitteln und als positive Rollenmodelle dienen. (vgl. Fingerle et al. 1999, Werner 1999).

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