Franzosen auf dem Eis

Von Henning Meyer-Veer

IBBENBÜREN. Den Schulaustausch mit La Chapelle-sur-Erdre, einem kleinen Städtchen ganz in der Nähe von Nantes an der Atlantikküste, den macht die Ibbenbürener Anne-Frank-Realschule schon seit mehr als 20 Jahren. Und doch ist in diesem Jahr irgendwie alles anders.

Das hängt – natürlich – mit den Terroranschlägen aus dem November in Paris zusammen. Zwar sind die 26 jungen Franzosen ihrer pädagogischen Begleitung mittlerweile gut in Ibbenbüren angekommen, doch lange stand dieser Austausch auf der Kippe.

Seit Donnerstag sind die 26 14 und 15 Jahre jungen Franzosen in Ibbenbüren, sie bleiben etwa eine Woche. Am Freitagmorgen machten sich die gesamten am Austausch beteiligten Schüler, Franzosen wie Deutsche erstmal auf den Weg zum Rathaus. Die Eisbahn war gebucht und lockte. Die Stimmung war entsprechend gut, selbst bei denen, die sich auf dem Eis nicht ganz so sicher zu fühlen schienen.

Kein Wunder, war es doch ein Austausch, auf den man sich lange vorbereitet und gefreut hatte, der dann aber Mitte November auf einmal infrage stand. Ganz akut. Nach den Terroranschlägen seien im ganzen Land für eine Woche „alle Klassenfahrten und Schulausflüge gecancelt wurden“, weiß Judith Münch, die Lehrerin der französischen Schüler. Ministeriumsorder. Danach durfte in den Departements das zuständige Ministerium selbst Genehmigungen erteilen. Die kam dann auch, und so durften sich die Schüler mit dem Bus auf den Weg machen.

Zu ihrer großen Freude, denn die Enttäuschung nicht nach Deutschland fahren zu dürfen, wäre vermutlich sehr groß gewesen. Obwohl man sich auch davon nicht hätte unterkriegen lassen, wie Judith Münch versichert. „Die Eltern haben aber gesagt, wenn unsere Schüler nicht fahren dürfen, dann wollen wir unbedingt, dass die Deutschen hierherkommen“, erzählt sie von den Reaktionen an der Schule von La Chapelle-sur-Erdre. „Wir wollen in jedem Fall, dass der Austausch weiter besteht.“

Und danach sieht es aus., denn im April wollen die Anne-Frank-Schüler dann nach Frankreich reisen, sagt Angela Holtgrave, zuständige Lehrerin auf Ibbenbürener Seite. Auch dort hoffte man im November natürlich, dass der Austausch trotz allem stattfinden könne. Auch unter den Ibbenbürener Schülern sei thematisiert worden, ob man denn nach Frankreich fahren könne. Jetzt besteht daran wohl kein Zweifel mehr.

Zu spüren seien die Folgen der Anschläge aber noch immer, berichtet Dominique Surdet, eine pensionierte Lehrerin, die die Gruppe begleitet. „Man schaut sich um, wenn man in Zügen oder der Metro fährt.“ In Kinos gebe es Taschenkotrollen, in großen Geschäften müsse man die Jacke öffnen. Die Sicherheit geht halt vor.

Eine Anreise mit dem Zug wäre übrigens auch heute noch nicht möglich. „Das Schulministerium will nicht das Risiko eingehen, dass sich Schülergruppen an einem touristischen Ort aufhalten, wo dann vielleicht noch ein Attentat stattfindet“, sagt Judith Münch. Und per Zug hätte die Gruppe über Paris gemusst, über den Gare du Nord am Place Napoléon III., den am meisten frequentierten Bahnhof in Europa – das K.o.-Kriterium. „In Paris ist das Risiko einfach größer“, sagt Judith Münch.

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