Anne-Frank-Schule ist einer von drei Orten gemeinsamen Lernens

Inklusion macht Schule

Die Anne-Frank-Realschule macht ernst mit Inklusion. Acht Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf kommen mit Beginn des neuen Schuljahrs in der nächsten Woche an die Schule.

Acht Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf kommen mit Beginn des neuen Schuljahrs in der nächsten Woche an die Anne-Frank-Schule. Sechs haben den Förderbedarf Lernen und jeweils ein Schüler kommt mit dem Förderbedarf Sprache und mit Förderbedarf Hören/Kommunikation. Die Anne-Frank-Realschule macht ernst mit der Inklusion. Neben der Hauptschule und der Gesamtschule ist sie eine von drei weiterführenden Schulen in Ibbenbüren, für die das Thema Inklusion jetzt konkret wird. Diese drei Schulen sind „Orte gemeinsamen Lernens“.

„Wir haben Respekt vor der Aufgabe, aber wir nehmen die Herausforderung positiv an“, sagt die pädagogische Konrektorin Anja Telljohann, die mit Herzblut die Steuergruppe leitet, die sich um die nötigen Vorbereitungen kümmert.

Dass es an der Schule dazu eine positive Haltung gibt, wurde bereits in der Vergangenheit bewiesen. Schon vor Jahren griff man den Gedanken auf, integrativ zu arbeiten. „Wir hatten seither immer Schüler, die mit einem Einzelintegrationsbedarf hier waren.“ Sie waren zielgleich, waren Realschüler, hatten aber dennoch sonderpädagogischen Förderbedarf. Der lag meist in der körperlich-motorischen Entwicklung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen sei es gelungen, das Thema Integration und Inklusion im Lehrerkollegium zu verankern und zu versuchen, das System Schule in diese Richtung zu verändern.

Neu für die Schule wird nun sein, dass auch zieldifferente Kinder aufgenommen werden. Die sechs Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen streben zunächst keinen Schulabschluss an.

Für die neue Aufgabe haben sich seit November fünf Lehrer entsprechend fortgebildet, darunter die drei Fachlehrer, die den Hauptanteil des Fachunterrichtes in der Klasse haben.

Es werden an der Anne-Frank-Schule mit Schuljahresbeginn vier Klassen 5 mit insgesamt 88 Schülern gebildet. „Das sind vier kleine Klassen, wovon die Inklusionsklasse mit 19 Schülern die kleinste ist“, so Anja Telljohann.

„Wir wollten, dass in möglichst vielen Stunden ein Förderschullehrer mit in der Klasse ist.“ Deshalb entschied man sich dafür, dass alle acht Inklusionsschüler in dieselbe Klasse gehen. Zumindest für das Starterjahr habe man erreichen können, dass in 17 von 23 Zeitstunden Unterricht ein Förderschullehrer dabei ist.

Um sich gut auf die Inklusionsschüler einzustellen, wurden unter anderem die Grundschulen besucht, um von den Lehrern dort zu erfahren, welche Unterstützung die Kinder brauchen. Und die Inklusionsschüler waren, zusätzlich zum Kennenlerntag gemeinsam mit allen Schulneulingen der Anne-Frank-Schule, an einem Vormittag in die Schule eingeladen. Dabei konnten die Lehrer sie im spielerischen Umgang näher kennenlernen. Außerdem gab es Einzelgespräche mit den Eltern, um sich über die Krankheitsgeschichte zu informieren. „Das war ein guter Start. Und die Eltern sind mit dem Eindruck nach Hause gegangen, die interessieren sich für unsere Kinder. Das war so ein Eisbrecher“, sagt Anja Telljohann.

Ab März setzte sich das Inklusionsteam mit den Fachlehrern zusammen, um zu erarbeiten, wie inklusiver Unterricht konkret geplant werden muss. „Wir wollen versuchen, möglichst viel im Klassenverband zu arbeiten, aber wir sind auch davon überzeugt, dass es zum Beispiel im Fach Englisch, langfristig auch eine äußere Differenzierung geben muss.“

Dafür wurden räumliche Voraussetzungen geschaffen. So gibt es neben dem Klassenraum auch einen Differenzierungsraum. Dieser biete die Möglichkeit, auch mal mit Anschauungsmaterial zu arbeiten, das mehr Platz braucht. Außerdem werden sechs Computerplätze eingerichtet. Personelle Unterstützung, zum Beispiel für Schwimmunterricht und Übermittagbetreuung, gibt es auch von „Bufdis“ (Bundesfreiwilligendienst), eine Kraft kommt mit Schuljahrsbeginn, eine weitere erst ab Oktober. „Wir wünschen uns mehr Ressourcen“, sagt die Konrektorin. Großes Lob hat sie für die Zusammenarbeit mit der Stadt als Schulträger. „Wir freuen uns, jetzt zu starten“, sagt sie. Aber: „Wir sind alle in einem Lernprozess.“ Das Thema sei „noch eine Baustelle.“ Erste Überlegungen gibt es auch schon für die Zukunft, zum Beispiel mit Blick auf die Berufsorientierung.

Bild & Autor: Cornelia Ruholl IVZ-online.de
Tel: 05451 933 251

Zurück